Fraser Island

IMG_2774Fraser Island ist die größte Sandinsel der Welt. Ungefähr 120km lang und rund 25km breit an der breitesten Stelle. Die ganze Insel ist ein Nationalpark mit ein paar Besonderheiten. Man kommt nur per Flugzeug oder Fähre rüber und mit letzterem auch nur wenn man ein 4-Wheel-Drive Auto hat. Das ist auch bitter nötig, da das geteerte Straßennetz rund  10km lang ist – der Rest ist Sandpiste. Das kann man sich wie nen riesigen Sandkasten für Erwachsene vorstellen. Mit entsprechendem Spielzeug. Manche von den Karren die hier rumfahren sind richtige Offroadmonster. Das Lieblingsmodell ist jedoch eindeutig und mit klarem Abstand zum Rest der Toyota Landcruiser. In allen Varianten und Farben, sogar einer in Pink war dabei. Danach Hilux-Modelle (wie meiner) und Nissan Patrol.

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Jetzt zur Vorgeschichte. Nachdem ich vergeblich versucht habe einen Mitstreiter für das Abenteuer Fraser zu finden um die Kosten zu teilen – immerhin 200$, bin ich dann halt alleine losgezogen. Touren, wie ich sie jetzt gemacht habe (3 Tage, 2 Nächte), kosten übrigens, wenn man sie als Tour bucht rund 400$. Und dann sitzt man mit sieben anderen Hansels im Auto und darf nur ab und an mal ans Steuer. Und so viel vorweg, das ist ein Heidenspaß. Länger machte bei den gegenwärtigen Bedingungen keinen Sinn, da der komplette Norden der Insel nicht passierbar ist. Zumindest ncicht mit meinem Equippment.
IMG_2784Mit dem buchen der Fähre bekommt man eine Broschüre samt Karte, die einen erstmal einschüchtert. Ohne Unterlass wird da vorm fahren auf Sand gewarnt. Unter anderem soll man vom Meer wegbleiben, da die einrollenden Wellen zum einen nicht ohne sind und zum zweiten den Sand unterm Auto wegspülen kann, was zur Folge hat, dass das Auto erstmal feststeckt. Wenn man dann nicht fix ist, erledigt die Flut den Rest. Dann wird gewarnt, sich anzuschnallen – auch wenn Höchstgeschwindigkeit nur 30km/h ist (80 km/h am Strand), es wird gesagt, dass IMG_3121langsamer besser ist, plötzliche Fahrmanöver sind tunlichst zu unterlassen und überhaupt sind die Hälfte der Routen nur mit einem richtigen Offroader, Erfahrung, Kommunikationsausrüstung, Abschleppseil und wenigstens einer Schaufel zu meistern. An dem Punkt wurde mir dann doch langsam mulmig, da ich weder nen richtigen Offroader, noch Erfahrung, Kommunikationsausrüstung, Abschleppseil und Schaufel hatte. Auch der Hinweis, dass man besser Socken und Stiefel anziehen soll, ist ein wenig übertrieben. Ich hab auf dem gesamten Trip gar keine Schuhe angehabt.
Ein Tipp für alle, die alleine mal auf Fraser wollen – die Karte die man mit dem Fährticket bekommt ist, außer für nen groben Überblick, unbrauchbar.

Nun aber zum eigentlichen Trip. Nachdem ich ordentlich im Redneckstyle eingekauft hatte (Heinz Beans in der Dose, Heinz Peppered Steak in der Dose, Chips, Brot, Salami, Vegemite und Bier. 15 Liter Bier) war ich für meine Begriffe Top ausgestattet.
Als es auf die Fähre hat ein Bub von einer Gruppe erstmal schön seinen Auspuff in die IMG_2888Fähre gerammt. Letztere war eher unbeeindruckt davon. Nach kurzer Reparatur mittels Gummiexpander hat´s dann geklappt. Da hab ich mir schon gedacht: das erste Opfer und die sind noch nicht mal auf der Insel. Überfahrt eher unspektakulär. Als es von der Fähre runter geht, freuen sich im Auto hinter mir alle wie blöde über meine Aufkleber und schießen Fotos. Auf Fraser dann Ratlosigkeit Wo geht’s lang und wo will ich überhaupt hin? Fest steht nur dass ich zur Maheno, einem Schiffswrack will. Während ich da so grüble, fährt die „Auspuffguppe“ an mir vorbei. Da denk ich mir, fürn Anfang fahr ich denen mal hinterher, schließlich haben die ja nen Guide.

Beste! Entscheidung! Ever!

Nachdem ich schnell identifiziert war (Are you the midget fucker?) und meine Planlosigkeit dargelegt hatte wurde ich gleich eingeladen ihnen einfach zu folgen. Das habe ich bis zur IMG_2836Central Station erstmal gemacht. Da ich dort immer noch keinen richtigen Plan hatte, hab ich Rango (wie der Film), den Tourguide, gefragt ob das in Ordnung sei worauf ein „Yeah Mate, why not!“ samt seinem Plan für Heute und Morgen als Antwort aus ihm raussprudelte. Auf dem Walk bei Central Station stand ein Warnschild, das besagt, dass einige Bäume hier Nüsse fallen lassen, die einen töten können. Unglaublich. Nicht dass all die giftigen Tiere hier genug wären, nein, die Bäume müssen auch noch mitmachen.
Ab dem zweiten Stopp wurde ich dann nur noch Midgetfucker gerufen. Coole Gruppe habe ich da gefunden. Multinational und unter den 27 Teilnehmern ganze drei Jungs – von so ner Gruppe können Maschinenbaustudenten nur träumen. So hab ich also als Schlusslicht meinen Platz in der Gruppe gefunden. Und das stellt sich schnell als sehr angenehm heraus. Ich muss nicht navigieren, bekomme Infos unIMG_2838d ein paar echt lustige Andekdoten, wie zum Beispiel, dass die vorherige Gruppe mitten in der Nacht, nach Unmengen Goon (weinähnliches Produkt mit Spuren von Nüssen und Fisch, Backpackergetränk, billig), Dingos scheuchen gegangen ist. Am Strand. Nackt. Vor Dingos wird übrigens auch zuhauf gewarnt, da die Burschen recht aggressiv werden können.

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Nach den ersten Kilomertern werden mir ein paar weitere Sachen klar. Zum einen ist es anspruchsvoll zu fahren, aber keineswegs so hart wie angedroht. Zum anderen sind die Entfernungsangaben auf den Schildern nett, aber recht nutzlos, da man einfach null Zeitgefühl hat. Für zehn Kilometer kann man 20 minuten oder ne Stunde brauchen. Je nachdem wie der Track ist und was so los ist. Zum Glück bin ich in der Nebensaison hier, es ist kaum was los. Und fahren im Low Range, also mit Untersetzung, bringt einen überall durch. Wahnsinn was da für eine Traktion ist. Auch wenn die Höchstgeschwindigkeit im fünften Gang dann nur noch 60 oder 70 km/h ist. Durchaus ein witziges Gefühl, im 4. Gang bei 4000 Umdrehungen grade mal 40 km/h zu fahren.

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Am ersten Tag haben wir dann Lake Birrabeen, Central Station und Lake Wabby abgehakt. Das Nachtlager war ein stationäres Lager vom Tourveranstalter, nett eingerichtet und genug Platz für Chewey. Und nachdem ich Rango mit ein paar eisgekühlten Bieren versorgt hatte, hatte ich nen Freund mehr. Nach dem Abendbrot ging die Party los. Trinkspiele und Goon bis zur Erschöpfung. Mann sahen die Scheiße aus am nächsten Morgen. Ich bleib beim Bier.

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Der zweite Tag hat dann gleich richtig gut angefangen – Poyungan Rocks. Also hätte man mich nen paar Tage vorher alleine vor ein solches Hindernis gestellt, ich wär einfach umgekehrt, so unüberwindbar sehen die aus. Ein großes Feld mit Steinen. Sieht so aus, als ob jemand viele Bierfassgroße Steine hingeworfen hat. Und wir reden hier nicht von 5 IMG_2788Liter Fässchen. Die Großen, die man nur rollen kann. Aber da schon Leute vor uns da waren und auch ein kleiner Stau war, dachte ich mir, dass es so schlimm nicht sein kann. Stau war übrigens, weil ein paar Offroader da unbedingt mit ihren Anhängern rüber mussten. Natürlich nicht ohne Boot auf dem Anhänger. Und keine kleinen Boote. Boote mit Kabine. Von da an hab ich die Broschüre nicht mehr angeguckt, höchstens als allgemeinen Ratgeber. Wenn hier Leute mit Anhängern mit Booten drauf über Stock und Stein poltern, dann bekommen Chewey und ich das schon längst hin. Und damit sollte ich auch Recht behalten.
Poyungan Rock dann live ist sowas von lustig. Im Kriechgang – Low Range mit Standgas, 1. Gang (ca 1 km/h) – gings da drüber. So ähnlich muss sich nen Eiswürfel im Shaker fühlen. Es wackelt und rappelt in einer Tour. Es scheint mir, dass Chewey und ich uns hier erst so richtig kennen lernen. Meine einzige Sorge ist, dass das Eiswasser im Esky (Kühltruhe) bleibt.
Danach weiter über den Strand IMG_3051mit 80 Klamotten, nur gelegentlich ausgebremst durch rumliegende Bäume, Steine, Bachbetten und landende Flugzeuge. Ja, Flugzeuge. Der Strand ist gleichzeitig Landebahn und Straße. Wobei Flugzeuge Vorfahrt haben. Somit muss man auf den entgegenkommenden Verkehr, auf die Gruppe vor einem, auf die Wellen und auf Flugzeuge von vorne und hinten achten.
Weiter auf der Tour dann Eli Creek, ein arschkalter Süßwasserbach aus dem Inselinneren, Kaffee im Happy Valley, eine kleine Siedlung und schließlich zum Wrack der Maheno.
Die Maheno ist irgendwann Anfang des letzten Jahrtausends beim schleppen abhanden  gekommen. Das Schleppseil ist im Sturm gerissen und dann wusste für fünf Tage keiner so genau wo sich denn das Schiff so rumtreibt. Schließlich ist es auf Fraser gestrandet. Und da die Australische Regierung irgend eine Steuer fIMG_3109ürs bergen haben wollte, hat der Besitzer es da gelassen wo es auch heute noch ist. Lustige Geschichte am Rande, dass Schiff war voll funktionsbereit und mit zig Passagierkabinen ausgestattet. Voll bezugsfertig, mit Betten, Bettdecke – einfach alles. Sehr zur Freude der Angler, die das Angebot gerne angenommen haben und es sich in den Kabinen bequem gemacht haben. Das Schiff stand nämlich erstaunlich grade.
Allerdings ist von der einstigen Pracht nicht mehr viel übrig.

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IMG_3038Danach noch die Pinnacles, eine Sandsteinformation und Cathedral Beach abgehakt. Letzteres ist einfach nur ein kleines Dorf, wo man Essen und Benzin bekommt. Im  Anschluss dann zum Lake Allom den man zu Fuß über ein paar gewaltige Dünen erreicht und über den Northern Forests Scenic Drive zurück. Und diese Route ist echt atemberaubend. Offroad vom Feinsten mit einer Wahnsinns-Landschaft. Hier habe ich meinen persönlichen Rekord aufgestellt – 3,4km ohne das Lenkrad zu berühren. Durch die Spurrillen im Sand ist das wie auf Schienen. Sehr lustig. Von wegen man braucht Erfahrung und so… noch nicht mal selber lenken muss man.
Nach einem weiteren Stopp zum pinkeln und Kaffee holen sind wir dann in die Dämmerung rein zum Campground gefahren. Als wir dann bei den Poyungan Rocks ankamen, war es stockfinster. Wenn der Hinweg schon spannend war – im Dunkeln ist es das ganze im Quadrat. Dadurch dass man fast nichts sieht, denn die Scheinwerfer bilden eher ein Ambiente wie Flakscheinwerfer ´42 iIMG_3069n Berlin bei dem Gewackel, als dass sie auch nur irgendwas ausleuchten. Hinterher, beim Bier, sagt mir Rango, dass das ja nen Abenteuer war – selbst für ihn. Den Northern Forests Drive sei er schon seit Jahren nicht mehr gefahren und die Poyungan Rocks hat er überhaupt noch nie im Dunkeln gemacht. Ich muss wohl ein sehr lustiges Gesicht gemacht haben, da er anfängt zu lachen mir auf die Schulter klopft und sagt: „Never to late for a first time, and we did well, didn´t we?“. Darauf haben wir dann wieder ein paar Biere getrunken und uns weiterhin köstlich amüsiert. Der Abend ging weiter mit viel Bier, Goon undIMG_3067 Trinkspielen. Ein außerordentlich lustiges Trüppchen. Das letzte was ich noch in Erinnerung habe, ist, dass ich der Kanadierin einen Riesendödel auf den Rücken gemalt habe. Samt Signatur. Danach haben sich alle anderen auch noch auf irgendeine Art und Weise verewigt. Als kein Platz mehr auf dem Rücken war, hat der nette Franzose halt auf dem Arsch weiter geschrieben, und als der dann auch vollgeschrieben war… naja – kann sich jeder selbst ausmalen. Das nur als Einblick, was so alles passiert, wenn viele Backpacker und viel Alkohol aufeinander treffen.

Tag drei ging über den Strand und Happy ValleyIMG_2828 (pinkeln, Kaffee, Eis) zum Lake McKenzie.  Im Gegensatz zu den anderen Seen, an denen wir waren, ist dieser hier kristallklar. Die anderen Seen werden durch den Teebaum, der da wächst, alle rötlich. Vor Lake McKenzie wars etwas holprig, was uns einen Notstopp eingebracht hat. Viel Goon am Abend und Beans zum Frühstück gepaart mit recht unebenen Wegen führt zu rebellierenden Bohnen. Was hab ich gelacht, als vor uns die Tür aufspringt und erstmal fröhlich gereihert wird. Zu guter Letzt ging´s dann nach Kingfisher Bay zur Fähre wo ich drei Stunden später als das Grüppchen die Heimfahrt angetreten habe.

Auf dem Festland hab ich dann erstmal getankt. Ich hab nicht schlecht gestaunt. Normal braucht Chewey so 11-12 Liter – auf Sand 21 Liter!! Aber ich kann jetzt sagen, dass ich 180 km Offroaderfahrung habe. Und das sogar ohne den Luftdruck zu senken, was man normalerweise auf Sand macht. Ging auch so und ich bin nicht ein einziges Mal stecken geblieben. Der einzig wirklich gute Tipp in den ganzen Broschüren ist übrigens, dass man sich anschnallen soll. Andererseits hätte es mich wenigstens einmal wie nen Flummi durch das Auto geworfen. Wobei ich da nichtmal Schuld war, ich hab jemand anderen fahren lassen. Moment – das ist ja dann doch auch meine Schuld. Egal. Lustig wars.
Danach dann in das Hostel der Gruppe, um endlich zu duschen und nochmal Trinkspiele zu spielen.

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Alles in allem ein bombastischer Trip! Soo viel Sand – überall. Und Sand in allen Farben, von schwarz über braun, gelb, orange bis weiß, alles vertreten. Fraser Island ist bis jetzt mein Favorit hier. Ich glaube nicht, dass der Whitsunday Segeltörn das toppen kann. Wir werden sehen.
Jetzt geht’s erstmal nach Rockhampton. Das sind rund 440 Kilometer oder sieben Stunden über Landstraße und Highways. Ich fahre gerne Landstraße hier, da das Tempolimit marginal kleiner ist und man meist mehr sieht. Dann Carnavon NP. Und da gibt’s wieder kein Empfang, wie ich denke.

4 Gedanken zu „Fraser Island

  1. Cooler Bericht. Klingt nach einer Tour, die ich auch gerne einmal machen würde. Da wächst das Vermögen Fahrer mit dem Ausbleiben des Teers.

  2. Yeah! War nen super Trip mit dir Midgetfucker! Auch wenn ich fast dein Auto kaputt gefahren hab, sry :/
    Aber nur so am Rande..unsere Truppe war weit verrückter als beschrieben 😉

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