Tableland und Carnavon

In Rockhampton hab ich Angie, die ich in Deutschland kennengelernt habe, aufgegabelt. Sie hat mich auf den Carnavon NP gebracht und begleitet mich nun eine Weile.
Bevors aber los ging, hat Chewey mal wieder eine seiner Launen bekommen. Eine Kleinigkeit mit großer Wirkung. Extrem nerviger Wirkung sogar. Ein winziger Plastiknippel ist abgebrochen, der nun meinen Türgriff außen außer Gefecht gesetzt hat. Von innen geht alles, nur der Türgiff eben nicht mehr. Aber man ist ja erfinderisch. So hab ich mir mit nem Spanngurt eine „Fernbedienung“ gebaut, mit der ich die Tür öffnen kann, nachdem ich die Fondtür geöffnet hab. Bissl umständich, aber geht. Das ist auf jeden Fall etwas, was ich reparieren lasse. Ich bin gespannt was da noch alles kommt.

Jetzt aber zum eigentlichen Geschehnis. Wir sind also los, um den Carnavon NP zu sehen. Und ohne Übertreibung, für meine bisherigen Australien Verhältnisse, liegt dieser Park cirka fünf Kilometer hinterm Arsch der Welt. Auf dem Weg haben wir kurz am Tableland NP angehalten. Wieder eine schöne gewundene Straße mit einem Wahnsinnsausblick, der nur durch ein Buschfeuer getrübt wurde. Ein kurzer zwei Kilometer Pfad führt zu einem knuffigen Wasserfall mit nicht minder schöner Aussicht samt Pool. Leider nicht geheizt. Weiter als zur „Eiergrenze“ bin ich da nicht rein. Es ist schließlich Winter hier und grade mal 24 Grad. Der Zugang war etwas tricky, besonders mit Thongs (Flipflops), da wir nicht auf Anhieb den einfachen Weg gefunden haben. Auf dem Rückweg Richtung Springsure, wo wir die Nacht verbringen sollten, fängt es plötzlich an zu piepen. Warum piept das Auto? Das hat es noch nie gemacht. Ich bin verwirrt und suche nach der Ursache. Erst beim langen pieeeep dämmert es mir. Es ist der Swoopalarm vom Optima. Da waren wir wohl ganz schön hoch. Springsure ist so wie man sich nen Aussie-Redneck-Kaff so vorstellt. Gepennt haben wir bei John, einem Kumpel von Angie.

Früh am nächsten Morgen sind wir dann zum Carnavon aufgebrochen. Von Rockhampton, an der Küste bis zum Park sind es übrigens rund 670 Kilometer. Und es hat sich gelohnt. Carnavon ist ein wunderschöner Canyon, von rund zehn Kilometer länge, mit einem stattlichen Bach. Und das Beste ist, man kann komplett durchlatschen.

Kurzer Exkurs. Walking Tracks sind hier in vier Klassen aufgeteilt. Klasse eins ist mit dem Rollstuhl und Gicht machbar, Klasse zwei nur noch zu Fuß, aber immer noch easy, Klasse drei sollte adäquates Fußwerk angezogen werden, da hier und da Steine und Wurzeln, sowie steile Abschnitte einen behindern. Dann kommt Klasse vier. Von Extremer Gefahr wird da gesprochen. Sehr uneben, umgestürzte Bäume, Felsbrocken, Erdrutsche, tiefes Wasser, teilweise sehr schwer passierbare Stellen und so weiter – das alles kann einem begegnen. Exkurs Ende.

Die Hälfte der Tracks hier sind Klasse vier. Entsprechend sind alle die hier lostraben ausgerüstet. Wanderschuhe, hohe Socken, Trekkingrucksack, Camelback, High Tech Wanderstöcke, Sonnenhut – um nur das Offensichtliche aufzuzählen. Daneben Ich. Sonnenbrille, Daypack mit allem mögichen unnützem Kram (war zu faul zum ausräumen), T-Shirt, Boardshorts und Thongs. Ich hätte zumindest Sneakers anziehen können, aber … nee, passt scho. Einfach, weils so schlimm schon nicht kommen kann. Hier und da kamen schon verwunderte Blicke und Kommentare. Auf dem Rückweg, hab ichs dann auf die Spitze getrieben und bin die kompletten 14 km barfuß zurück gelaufen. Just because Fuck You 🙂

Nachdem wir uns die Karte des Canyons samt Nebencanyons angeguckt hatten, haben wir beschlossen, das Ganze von hinten aufzurollen. Also erst bis zum Ende laufen und dann auf dem Rückweg die Seitenarme abklappern. Der Weg bis zum Ende ist echt atemberaubend. Alle paar Minuten sieht  es anders aus. Mal hohe Eukalyptusbäume, mal Palmen, mal Farne, mal Gräser, mal Regenwald. Und zwischendrin der Bach, den wir insgesamt 44 (!) mal überquert haben. Man überquert ihn indem man von Stein zu Stein hüpft. Am Anfang easy, zum Ende hin immer anspruchsvoller, da manche „Brücken“ weggespült worden sind. Aber da ich keine Schuhe hatte, die nass werden können wars egal.
Zu sehen gibt es Aboriginal Art, Felsmalereien mit verschiedenen Maltechniken, Wasserfälle, Baumfarne die schon seit den Dinos wachsen (übrigens einer der wenigen Orte, wo es sie noch  gibt), eine riesige Sandsteinhöhle, gewundene, enge, kleine Canyons und Bäche in erstaunlichen Farben. Der weite Weg hat sich auf jeden Fall gelohnt. Zumal als Bonus auf unserem Campingplatz noch jede Menge Wallabys rumstanden und sich geduldig knipsen ließen. Und on top sollen im Bach hinter dem Campingplatz auch noch Platypusse – Schnabeltiere leben. Seit ich Dogma gesehen habe, möchte ich das Vieh mal sehen. Ist es doch eins der wunderlichsten Tiere, die Australien zu bieten hat. Lebt im Wasser, taucht nach Nahrung, macht aber dabei die Augen zu, Ist ein Säugetier, legt aber Eier, hat eine Kloake, ein Entenschnabel – aber Fell und Bieberschwanz und einen Giftstachel, wo man noch nicht so recht weis wofür. Eine Art Eierlegendewollmilchsau auf australisch. Leider hat es sich nicht gezeigt.

Tags drauf sind wir dann Richtung Eungella NP gefahren, haben aber vorher die Nacht auf eine Free Camp Area verbracht, wo wir mit zwei netten Franzosen den Abend am Lagerfeuer verbracht haben. Es hat übrigens den Anschein, dass alle Franzosen hier aus Paris kommen. Alle die ich bisher kennengelernt hab, kommen aus Paris. Nach acht Bier hatte ich die nötige Bettschwere und hab wie ein Stein geschlafen.
Im Eungella NP sollte man wieder die Chance haben ein Platypus zu sehen. Allerdings waren wir rund drei Stunden nach seiner normalen „Dienstzeit“ da, so dass nur jede Menge Schildkröten da waren. Doch dann! Wie aus dem Nichts schwamm dann doch tatsächlich eins dieser extrem scheuen Schnabeltiere direkt vor unseren Augen in dem Bach vor uns. Ich war begeistert. Ich hab ein Schnabeltier gesehen. Und das, bevor ich nen Koala gesehen hab. Wenn ich den dann auch gesehen habe, kann ich in Frieden sterben 😉
Im Lonely Planet stand dann noch was von ner Seilrutsche durch den Urwald – klingt gut, war gut. Mitten im Dschungel hat da ein Exilengländer zwei Seilrutschen zwischen die Bäume gezimmert. Auf der ersten kann man gas geben, die zweite ist mehr zum gucken. Und gucken lohnt sich, eine Menge riesige Fledermäuse hingen da rum. Hinterher hat der Guide gesagt, dass das nicht viele seien, nur ein paar Hundert. Im Sommer sind es normalerweise um die 70.000. Letztes Jahr waren wohl kurz mal über 500.000 da. Wobei die Viecher in den Mengen eine Art Gruppenstumpfsinn entwickeln, so sagt er, da die sich alle an ein Baum hängen, der das Gewicht nicht hält und samt Fledermäusen einfach umfällt. Und die blöden Viecher gehen einfach zum nächsten Baum und machen das Gleiche wieder, und wieder, und wieder… Er meint, wenn sie weg sind, sieht das aus, als ob einer mit ner Planierraupe betrunken durch den Urwald gefahren ist.

Danach gings weiter nach Airlie Beach, wo ich jetzt bin. Ich werd mich mal nach nem Segelboot umgucken um die Whitsundays abzuklappern. Auch wenn das Wetter nicht ganz so optimal ist. Hier und da Regen und nur 24 Grad.

Ach ja, nehmt euch mal ein Beispiel am Herrn Jonke! Ihr dürft kommentieren 😉

 

3 Gedanken zu „Tableland und Carnavon

  1. Sach ma: Hast DU abgenommen? Oder ist das die typische Jonke-kopfüber-Bauch-weg-Position, die Dich so sportlich schlank erscheinen läßt? Das siegt guuuuuuuut aus. Du solltest Dich nur noch in dieser Stellung fotografieren lassen. Coole Pix auch sonst. Machste mal ne Diashow, wenn DU wieder da bist? Lass es Dir gutgehen und gib auf Dich acht. Damit meine ich: Barfuß nach Möglichkeit nicht weiter als drei Meter von einem nassen Stein zum anderen hüpfen, Sohn. Sonst kannste Deine Metallwarenhandlung demnächst noch ausbauen, Du Nase.

    • Ja, hab abgenommen. So gefällt mir das.
      Das war echt Easy da. Null Problem. Liegen genug Steine rum, so dass man nicht hüpfen muss.
      Warts ab, da kommt was besseres als ne Diashow…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*