Paradise bro´

365 Tage (und ein bischen) bin ich jetzt also hier in Down Under. Ging deutlich schneller rum als ich dachte.
Viele Sachen sind endlich gut eingeschliffen. Mir schmecken Meatpies. Ich öffne nicht mehr die Beifahrertür um ins Auto einzusteigen – als Fahrer wohlgemerkt. Auch war ich schon lange nicht mehr auf der falschen Straßenseite unterwegs. Ich weis, welche Biere man aufdrehen kann und welche nicht. 911 Sprünge hab in dem Jahr geschafft, knapp die 1000 verfehlt. Nächstes Jahr dann eben.

Chewey war in den letzten Tagen etwas launisch. Zuerst reißen Keilriemen, danach knallt´s im Motorraum einhergehend mit Leistungsverlust und lautem klappern. Sowas stimmt einen immer fröhlich. Immerhin war gut 12000 km nichts zu meckern. Zuerst dachten wir, dass es die Dichtung vom Thermostat war. Also Werkzeug vom netten Nachbarn geborgt und los ging´s. Jade, der neue Pilot, hat lange als Mechaniker gearbeitet und hat seine Hilfe angeboten. Hätte ich nicht extra lange Nüsse kaufen müssen, wäre die Reparatur mit 4$ echt günstig gewesen, so waren´s 24$. Nachdem wir alles wieder zusammen hatten, hab ich fröhlich den Kühler mit Wasser aufgefüllt. Bei vier Litern wurde ich stutzig. Unterm Motor dann die Gewissheit, dass das Thermostat wohl nicht die Ursache war – wenn auch die Dichtung ziemlich scheiße aussah. Also neue Suche. Diesmal war es noch offensichtlicher. Ein Schlauch von gut 2cm Durchmesser war auf gut 8cm komplett geplatzt. Und zwar an der bescheuertsten Stelle die man sich vorstellen kann. Blutige Knöchel garantiert. Neuer Schlauch war schnell bestellt und mit 34$ (20$ Schlauch, 10$ Porto, 4$ für zwei neue Schellen) auch nicht wirklich teuer. Einbau war denn wieder gut um neue Schimpfwörter zu lernen. Und siehe da, Chewey ist dicht. Kurze Probefahrt, und er läuft besser als zuvor. Hard to kill diese Toyotas. Nur dass er zehn Tage außer Gefecht war, war blöd. Ohne Auto ist man hier schon etwas aufgeschmissen.

Getreu dem Motto Pläne schmieden und wieder verwerfen habe ich dann eine weitere Entscheidung getroffen. Und zwar, hier in Cairns zu bleiben. Warum? Nun ja, die ganze Zeit hatte ich immer den Plan wieder zurück nach Sydney zu gehen. Je länger ich aber hier oben bin, desto mehr frage ich mich warum eigentlich. Geld war das Hauptargument. Aber ich habe auch WiWi des Geldes wegen studiert, was ja nicht so der Bringer war. Ich hab viel gelernt, kann zum Beispiel Gleichungen mit drei Unbekannten lösen. Aber im realen Leben springe ich lieber mit Unbekannten aus‘m Flugzeug. Dann ist der Lifestyle hier oben ein ganz spezieller. Man braucht keine langen Klamotten – zumindest als Mitteleuropäer nicht, die Einheimischen laufen hier bei 19 Grad mit Hoodie und Jeans rum, weil´s ihnen zu kalt ist. Die spinnen die Queenslander. Es ist immer was los in Cairns, und es ist nicht weit weg. Jede Menge Pubs und Clubs, alle sieben Tage die Woche offen. Das einzige, was mich wirklich wurmt ist, dass man hier nicht Surfen kann. Aber das ist so ziemlich der einzige Kritikpunkt. Eventuell ist die Wetseason noch einer, aber das muss man mal abwarten. Gegen die fehlenden Wellen zum Surfen habe ich die passenden Gegenmittel schon gefunden. Für den Anfang habe ich mir nen Mopped gekauft. Sehr spontane Sache das Ganze. Kurze vier Kilometer Probefahrt hat gereicht. Es ist eine Husqvarna 450 SMR. Was für eine Waffe. Ultraleicht und handlich, ratzeputz kurz Übersetzt, kein Zündschloss, rülpst und furzt und speit Feuer aus´m Auspuff, der noch dazu unfassbar laut ist. Genau so wie ich es mag, perfekt für die Straßen im Hinterland hier.
Als nächstes kommt dann entweder ein Jetski zum Wakeboarden oder ein Paraglider samt Motor ins Haus. Beides liegt preislich ähnlich, mal gucken was es wird. Aber da muss erstmal gespart werden. Wenn dann mal jemand zu Besuch kommt ist für Spaß gesorgt…

1_05_sm450r_1_600Seit ein paar Tagen bin ich dabei eine gescheite Bude zu finden. Trotz gutem Angebot gestaltet es sich schwieriger als gedacht. Entweder sind sie zu weit weg, zu klein, zu teuer, ohne Aircondition oder miserabel eingerichtet. Oder sie sind in der Lake Street – und die heißt nicht umsonst „Lake“ Street. Wenn die Flut richtig hoch ist und es noch dazu regnet, dann ist die Straße ein See mit 20cm Wassertiefe. Aber das wird schon.

Zum Schluss etwas ganz anderes, ich hab meinen ersten Cassowarie ganz aus der Nähe gesehen. Mitsamt Babycassowarie. Technisch gesehen sind das Vögel. Nur sie fliegen nicht. Und wenn man die ganzen Stories über die Viecher hört, kommt man ganz schnell zu dem Entschluss, dass das zwei Meter große, völlig unberechenbare Arschlöcher sind. Die sind bis zu 50 km/h schnell und rammen fröhlich alles mit ihrem Dinosaurierhelm um, was im weg steht. Ganz davon abgesehen, dass sie hoch genug springen können um einem den Brustkorb ganz easy mit ihrer 13cm langen Klinge an jedem Fuß aufzuschlitzen. Und sie können das nicht nur, die machen das auch. Und schwimmen können sie auch. Nicht dass es schon genug wäre zu all dem giftigen Viehzeugs, den Haien und den Krokos hier, nein ein schwimmender, springender Dinosaurierhaivogel mit der Aggression eines Dachens mit PMS muss auch noch her. Wenn man diesem Viech ohne schützendes Auto drumherum (die sie im übrigen auch angreifen) begegnet, und es grade schlechte Laune hat, steht man am besten still, macht sich groß, hält Augenkontakt und … stirbt.

So weit die News.

8 Gedanken zu „Paradise bro´

  1. ohhh arndt du vergnügungssüchtiger….du verpasst hier aber sowas von nichts, da lohnt es sich mit sonem vogeldino anzulegen.

    dieses land scheint wirklich anziehend zu sein……die meisten kommen da nicht wieder weg

  2. Jetzt hatter schon vor Vögelchen Angst. Ob das so das rchtige Pflaster für Dich is Bro‘? Zuhause gibts auch mordshefährliche Amseln. Dafür muss man doch nicht um den ganzen Globus albern. Pass auf Dich auf. Nicht, dass Dich noch die nordaustralischen kreuzgefiederten Wanderameisen entführen.

  3. Memme 😉

    „Die Kasuare sind scheue Vögel, die tief im Wald leben und sich meist schon entfernen, bevor ein Mensch ihre Anwesenheit bemerkt. „

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