Eine (fast) ganz normale Woche

Meine Woche faengt ja Freitags an. Was nicht weiter wild ist, da in Cairns eh jeden Tag Party ist. Wenn man will. Ich hab mir selber eine Leberpause verordnet, da es vor ein paar Tagen doch ein wenig ueberhand genommen hat. Auch wenns ziemlich lustig war. Zum Beispiel weis ich jetzt, wie es sich anfuehlt, ne Kippe im Bauchnabel ausgedrueckt zu bekommen. Kann ich jedem nur empfehlen! Soweit der Exkurs „Betrunken fuer Fortgeschrittene, Teil 4“

Zurueck zum Geschehen. Freitag. Wetter immer noch Rotz. Kleiner Exkurs „Meterologie in den Tropen, Teil 9“. Nachdem ich letztens ja Vollmundig verkuendet habe, dass die Regensaison sich dem Ende neigt, hat die Regensaison erstmal richtig losgelegt. Gefuehlt hat es fuenf Wochen durchgeregnet. Noch dazu war es der kaeltetste Mai seit 30 Jahren. es ging runter bis auf 16 Grad. Das ist so kalt, dass man die Fenster zumachen muss und zum schlafen die Decke doppelt nehmen muss! Sogar zum springen musste man an 3-4 Tagen nen Pulli anziehen, da es auf Exithoehe knapp unter 0 Grad war. Man gewoehnt sich echt schnell an die Temperaturen hier. Exkurs Ende. Also an besagtem Freitag schnell ein paar Spruenge mit erstaunlich tiefen Wolken. „Wenn du die Erde siehst, sag Bescheid, du bist naeher dran“ – bringt die Paxe immer wieder zum lachen. Nach Feierabend, dann noch ne Runde Watch_Dogs gezockt. Das hab ich mir mal geleistet. Geiles Spiel, nebenbei. Ich war zunaechst etwas von der Grafik enttaeuscht, aber als ich denn meine Brille aufgesetzt hab, war ich dann begeistert.

Samstag dann endlich wieder wie im Prospekt. Blauer Himmel und 27 Grad, so soll es sein. Ansonsten nicht wirklich spannend der Tag, bis auf Tim’s Einladung zum fischen. Schnell mit nem Kollegen getauscht, damit ich Montag frei habe. Aufgrund der Leberpause, kein abendlicher Einsatz.

Sonntag. 14:00 Uhr Feierabend. Das ist erstaunlich frueh und zur Abwechslung auch echt mal ganz nett. Noch auf dem Weg nach Hause (standesgemaes im Cabrio – Wetter ist ja schliesslich gut) kommt die Nachricht „Keen?“ von Chris auf’s Telefon geflattert. Exkurs „Leberpause, Teil 1“. Beendet. Exkurs Ende. Ich fuelle meinen Magen schnell mit ein paar Oliven und etwas Kaese und los geht’s. Der geplante Aufenthalt im Gilligans faellt exakt ein Bier lang aus. Nix los. Wir bekommen den Geheimtipp ins Salthouse zu gehen, da waere Sonntags mehr los. Das Salthouse ist ein eher gehobenes Etablissment, direkt am Hafen. Chris, olles Metal T-Shirt, Boardshorts, die die besten Zeiten vor sehr langer Zeit hatten, ausgelatschte DC’s, ich I’m so fucking happy I could shit rainbows T-Shirt, Boardies und ziemlich ausgelatschte Flipflops passen da super rein. Auf dem Weg dorthin, 7 Minuten Fussmarsch, erzaehle ich Chris, dass ich ziemlich Lust auf nen Mojito habe. Und dann passiert etwas, dass mich am Atheismus zweifeln laesst – Mojitos on Special. „Nur“ 10$. Baem! (Sieht ohne Umlaute echt behaemmert aus – aber ihr wisst was ich meine) Noch dazu baut die Liveband grade auf. Wir ergattern Premiumplaetze mit freier sich und nah an der Theke. Drei Mojitos spaeter erweisen sich die Premiumplaetze als nicht mehr so premium – da die bloede Sonne (da isse endlich da, dann isses auch nicht recht) scheint uns direkt in unsere Hackfressen. Wir ziehen um, direkt vor die Band. Da Mojitos auf dauer dann doch zu teuer werden und vier auch genug sind, schwenken wir auf Corona um. Auch on Special. Die Band ist gut, wir geniessen das Leben. Gegen Sieben kommt die Nachricht von Tim, er holt mich um 4:30 Uhr in der Frueh ab, da wir ja fischen wollen. Ich sage das Chris, wir ueberschlagen, dass das noch grob neun Stunden sind und wir beide nicht arbeiten muessen. Wir trinken etwas schneller, da wir ja jetzt frueh heim muessen. Diese Taktik funktioniert Prima. Wir sind gut dabei. Weniger gut ist, dass Neil, der morgen eigentlich mitkommen wollte, und fuer das Bier verantwortlich war, nun doch arbeiten muss. Also latschen Chris und ich los zum Bottleshop und kaufen 30 Dosen Bier und ne Tuete Eis. Er traegt das Eis, ich das Bier. Keine 100 Meter spaeter reisst mein Karton und alle Dosen verlassen selbigen. Fuck. Irgendwie stopfen wir lachend die Dosen wieder rein und setzen unseren Weg fort. Zuhause angekommen kommen die Dosen in den Esky und das Eis ins Eisfach.

Montag, Mein falsch gestellter Wecker geht nicht los, aber ich wache trotzdem rechtzeitig auf. Mir ist etwas flau, aber wird schon. Ich esse eine halbe Tafel Schokolade zum Fruehstueck und lade das Eis in den Esky. Aus dem crushed ice ist jetzt ein einziger Eisklumpen geworden, den ich mit dem Messer maltraetieren muss, damit alles rein passt. Keine zehn Minuten spaeter sind wir auf dem Weg zur Bootrampe. Kaum ist das Boot drin kommen auch schon Carlos und Mikey, die auch mit von der Partie sind. Aufs Boot und los. In voelliger Dunkelheit. Das Wasser ist etwas unruhiger als erwartet, aber nicht wild. Ebenfalls und erwartet, aber sehr wild, fahren wir ueber eine Bugwelle eines entgegenkommenden Schiffs, was zum einen dazu fuehrt, dass unser Boot eine recht abrupte und bedenkliche Schraeglage einnimmt und zum anderen dazu, dass wir fast Carlos verlieren. Mit etwas verminderter Geschwindigkeit und besserem Halt, gehts weiter. Recht rauhe 30 Minuten spaeter und nass bis auf die Knochen, sind wir am ersten Spot und versuchen unser Glueck. Ich fange meinen ersten halben Fisch. Eine Spanische Makrele. Halb deshalb, weil der doofe Fisch vom Haken zappelt und mich etwas ratlos stehen laesst. Da wir wenig Erfolg haben, schippern wir, mit nicht minder rauhem Seegang, zum naechsten Spot, der etwas ruhiger ist, gleich neben Fitzroy Island. Dort wollen wir kleine Fische fangen, um grosse Fische zu fangen. Das mit den kleinen Fischen klappt prima, ich fange meinen ersten kompletten Fisch! Nur das mit den grossen Fischen will auch hier nicht klappen. Egal, wir haben uns unser erstes Bier verdient – und was gibt es besseres als 8:30 Uhr morgens, bei 25 Grad, blauem Himmel, Sonnenschein, mitten auf dem Meer das erste Bier aufzumachen. Das Leben ist schon eins der haertesten. Gegen halb 11 fahren wir, begleitet von einigen rueckenbrechenden Wellen, wieder heim. Nicht sonderlich erfolgreich, aber trotzdem gut.
Mittags kommt Chris vorbei und bringt mir mein neuestes Spielzeug. Ein Fahrrad. Ich hatte ihm gestern (Sonntag) erzaehlt, dass ich mir ein Fahrrad kaufen mag, wenn ich aus dem Heimaturlaub wieder zurueck bin. Worauf er sagt, er hat eins uebrig, von einem Kumpel der fuer ein paar Jahre  nach Neuseeland gegangen ist. Und was bringt er mir? Ein waschechtes, wenn auch ungewaschenes, Downhill/Dirtbike. Einziger Haken, der Schlauch vorne ist nicht vorhanden. Ein Klacks. Auf die Frage, was er denn haben will, sagt er: „Kumpel, kauf nen Schlauch und hab Spass.“

Dienstag ist ein denkwuerdiger Tag. Wir brauchen fuer drei Loads, insgesamt 16 Tandems, siebeneinhalb Stunden. Sowas versaut einem echt den Tag. Da es meiner Mitbewohnerin etwas beschissen geht, gucken wir einfach nur zwei Filme und gehen pennen. Exkurs Mitbewohner, Teil 5. Viele Couchsurfer waren jetzt schon da, und einer gefaellts so gut hier, dass sie laenger bleiben moechte. Und ne ganz liebe ist’s noch dazu. Exkurs Ende.

Mittwoch ist mein Samstag. Dylan und ich haben Tags zuvor beschlossen, in der Frueh einen Gillies Run zu machen. Wer die Gillies nicht kennt, sei auf das Video im vorherigen Post verwiesen. Und das war die beste Entscheidung seit Wochen. Keine Baustellen und kaum Verkehr. Wir hatten nen fast cleanen Run hoch und runter. Sowas gab’s noch nie. Dazu bestes Wetter nicht zu warm, nicht zu kalt. Der Himmel auf Erden. Als Belohnung haben wir uns danach nen Kaffee in der Sonne gegoennt und uns gefreut, dass wir nicht arbeiten muessen.
Wieder Zuhause hab ich fix Schlauch und Helm (muss man hier tragen) fuer’s Fahrrad besorgt. Somit hat mich das Fahrrad 12$ gekostet. Fix den Schlauch eingebaut, die Bremsen eingestellt und auf die richtige Seite geschraubt. Und ab zur Waschanlage. Auf dem Weg dorthin merke ich, dass die Ergonomie suboptimal ist. Wieder daheim ist das aber auch schnell geloest. Schwupps hab ich jetzt nen Fahrrad.
Kleines Erfolgserlebnis am Rande – das Rad hat auch ein Zahlenschloss, von dem natuerlich niemand mehr die Kombination weis. Beim dritten Versuch, von 4096 moeglichen, hatte ich es auf. Ich weis jetzt nicht, ob das an meiner Genialitaet liegt, oder das Schloss von einer herausragenden Qualitaet ist.
Abends gings dann noch mal auf ein Bier in unsere Stammkneipe/Bar/Hostel.

Donnerstag, heute, gehen wir gemuetlich fruehstuecken und am Nachmittag geht die engagierte Brennraumfluttruppe Cairns (Subaru WRX, GSX-R 1000, SMR 450 R) nochmal die Gillies rauf und runter.

Soweit eine (fast) ganz normale Woche.

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